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Dr. Balázs J. Nemes

© Jörg Blum
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Germanistische Mediävistik
Junior Fellow
Oktober 2019 - Juli 2020

Raum 02 009
Tel. +49 (0) 761-203 97387
Fax +49 (0) 761-203 97451

CV

Ich bin Jahrgang 1977. 1996–2003 Studium der Germanistik und der Katholischen Theologie in Cluj (Rumänien) und an der FU Berlin sowie der Älteren ungarischen Literatur in Budapest im Rahmen des ERASMUS-Programms. Magister Artium 2003. Promotion 2009. Seit 2004 arbeite ich in Freiburg in der Germanistischen Mediävistik, seit 2016 als akademischer Rat. Seit 2017 bin ich Mitglied des Centre for the History of the Book and Texts (CODEX) der Universität Cluj (Rumänien). Seit 2018 leite ich zusammen mit Dr. Antje Kellersohn (Universitätsbibliothek Freiburg) das DFG-Projekt „Making Mysticism. Mystische Bücher in der Bibliothek der Kartause Erfurt“ und bin wissenschaftliches Mitglied des Mittelalterzentrums der Universität Freiburg. 2007 war ich als Academic Visitor im Rahmen der Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg, 2009/10 als Postdoc mit einem Feodor-Lynen-Stipendium der Humboldt-Stiftung in Oxford. Zusammen mit Prof. Dr. Martina Backes bin ich für die Konzeption der Ausstellung "buochmeisterinne - Handschriften und Frühdrucke aus dem Freiburger Dominikanerinnenkloster Adelhausen" verantwortlich, die anlässlich des 900-jährigen Freiburger Stadtjubiläums von November 2020 bis Februar 2021 im Museum für Stadtgeschichte gezeigt wird. Weitere Informationen finden Sie hier

Publikationen (Auswahl)

  • Mechthild von Magdeburg: „Lux divinitatis“ – „Das liecht der gotheit“. Der lateinisch-frühneuhochdeutsche Überlieferungszweig des ‚Fließenden Lichts der Gottheit'. Synoptische Ausgabe, hg. von B. J. N und Elke Senne unter Leitung von Ernst Hellgardt, Berlin 2019. Link.

  • Mechthild und das „Fließende Licht der Gottheit“ im Kontext. Eine Spurensuche in religiösen Netzwerken und literarischen Diskursen im mitteldeutschen Raum des 13.–15. Jahrhunderts, hg. von Caroline Emmelius und Balázs J. Nemes, Berlin: Erich Schmidt 2019 (ZfdPh, Beiheft 17). Link.
  • Trampelpfade historischer Textdeutung. Die mittelalterliche Überlieferung und ihre spatialen Ordnungen, in: De l'(id)entité textuelle au cours du Moyen Âge tardif (XIIIe-XVe siècle), s.d. Barbara Fleith, Réjane Gay-Canton et Géraldine Veysseyre, en coll. avec Aude Mairey, Paris: Classiques Garnier 2017 (Coll. Rencontres Nr. 304, Ser. Civilisation médiévale Nr. 27), 295–322.
  • Das lyrische Œuvre von Heinrich Laufenberg in der Überlieferung des 15. Jahrhunderts. Untersuchungen und Editionen, Stuttgart: Hirzel 2015 (ZfdA, Beiheft 22).
  • Der involvierte Leser. Immersive Lektürepraktiken in der spätmittelalterlichen Mystik-Rezeption, in: Immersion im Mittelalter. Unter Mitarbeit von Susanne Kaplan hg. von Hartmut Bleumer, Stuttgart, Weimar: Metzler 2012 (LiLi 42/167, 2012), 38–62.
  • Von der Schrift zum Buch – vom Ich zum Autor. Zur Text- und Autorkonstitution in Überlieferung und Rezeption des ›Fließenden Lichts der Gottheit‹ Mechthilds von Magdeburg, Tübingen: Narr/Francke/Attempto 2010 (Bibliotheca Germanica 55).

FRIAS-Projekt

Die theologia mystica als ‚Expertenliteratur‘. Die experti und ihre Schriften in der Lektüre- und Kompilationspraxis des Erfurter Kartäusers frater N.

Was ist Mystik? Cognitio Dei experimentalis, eine auf Erfahrung gegründete Erkenntnis Gottes, lautet die Antwort in den gängigen Lexika. Wie in der mittelalterlichen Diskussion um die Gewichtung von Erfahrung und Erkenntnis in der Gottesschau, welche das Ziel der sog. mystischen Theologie (theologia mystica) bildet, geht es auch in der heutigen interdisziplinären Debatte um den Mystikbegriff darum, wie man das Verhältnis zwischen Erfahrung und Reflexion über die Erfahrung definiert. Umso interessanter ist das Urteil, das ein als Bruder N. (frater N.) bekannter Erfurter Kartäuser in den 1480er Jahren über Johannes Gerson (†1429), einen der führenden Theologen des 15. Jahrhunderts fällt: Für ihn ist Gerson unerfahren (inexpertus) in Bezug auf die mystische Theologie. Dies wird mit Stil und Inhalt der von Gerson verfassten Schriften über die theologia mystica begründet, sprächen sie doch dafür, dass Gerson das, worüber er schreibt, nicht aus persönlicher Erfahrung kenne. Im Gegenzug werden ihm lateinische und (!) deutsche Werke vorgehalten, deren Verfasser Bruder N. als Erfahrene (experti) in der Gottesschau ausweist. In meinem Projekt will ich nicht nur relevantes Textmaterial editorisch erschließen, sondern es soll auch nach Semantik, Stellenwert und Funktion von Erfahrung in den auf die ‚Expertenliteratur‘ bezogenen Schriften von Bruder N. gefragt und ein am exemplarischen Einzelfall orientierter Beitrag zur Historisierung des Mystikbegriffes geboten werden.