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Die "Asiatische Banise" - ein barocker Bestseller in Europa

Die Asiatische Banise (1689) von Heinrich Anshelm von Zigler und Kliphausen (1663-1697) war der erfolgreichste Roman der deutschen Barockliteratur und der berühmteste deutsche Roman vor Goethes Werther. Die deutschsprachige Wirkungsgeschichte der scheinbar exotischen Geschichte um die tugendhafte Prinzessin Banise und ihren treuen Prinzen Balacin reicht bis ins 19. Jahrhundert und spiegelt sich in weiteren Banise-Romanen, -Opern, -Dramen und -Gedichten. Außer den Gattungsgrenzen überschritt die Asiatische Banise aber auch Sprachgrenzen. Der Roman und seine 1724 erstmals aufgelegte Fortsetzung von Johann Georg Hamann wurden im 18. Jahrhundert ins Schwedische, Russische, Niederländische und Französische übersetzt.

Die einzigartige Rezeptionsgeschichte des Romans, dessen historisch-kritische Edition an der Universität Freiburg in den letzten Jahren erstellt wurde, ist Gegenstand einer internationalen Tagung, die vom 24.-26. Februar 2011 im FRIAS stattfindet. Im Rahmen dieses Symposiums soll auf die Opernfassung des Romans und die darauf folgende Bühnenkarriere der Asiatischen Banise ebenso eingegangen werden wie auf Ziglers „Weiterverwertung“ seiner eigenen Figuren und die von Johann Georg Hamann verfasste Fortsetzung. Weitere Themen sind die Diskussion des Romans in poetologischen Schriften der Frühaufklärung und das Nachleben der Asiatischen Banise im 19. Jahrhundert.

Neben der deutschsprachigen wird die internationale Rezeption des Romans beleuchtet. Diese beginnt mit der Übersetzung der Asiatischen Banise und ihrer Fortsetzung ins Schwedische. Neben den Übertragungen wird auch deren literatursoziologischer und literaturgeschichtlicher Kontext im Zusammenhang mit dem um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstehenden schwedischen Roman genauer betrachtet. Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung liegt auf den russischen Übersetzungen des Romans, die im Verlauf des 18. Jahrhunderts entstanden und in mehreren Handschriften überliefert sind. Diese wurden in den vergangenen Jahren an der Moskauer Akademie der Wissenschaften erschlossen. Hier werden u. a. Fragen des Kulturtransfers und der Rezeption eines deutschen exotistischen Romans in einem anderen kulturellen Kontext erörtert. Daneben werden die niederländische Banise-Übersetzung von 1771 und die stark bearbeitete französische Übertragung von 1774 untersucht.

Programm

01/2011