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Dr. Gregor Thum

Freiburg
Fellow
01.10.08-30.09.10

Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS)
School of History

    Lebenslauf

    Geboren 1967 in München; 1988-1995 Studium der Geschichte und Slavistik in Berlin und Moskau. 1995-2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Karl Schlögel am Lehrstuhl für Geschichte Osteuropas an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). 2002 Promotion an der Viadrina mit einer Dissertation zur Geschichte Breslaus nach dem Zweiten Weltkrieg. 2001/2002 u.a. Gastwissenschaftler am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. 2003-2008 DAAD Visiting Assistant Professor an der University of Pittsburgh. Seit Oktober 2008 Junior Fellow am FRIAS. Auszeichnung u.a. mit dem Georg-Dehio-Buchpreis (2004), dem Preis der polnischen Kulturzeitschrift Odra (2006) sowie dem Preis “Botschafter Breslaus” durch die Gazeta Wyborcza (2007).

     

    Veröffentlichungen

    MONOGRAPHIEN

    - Die fremde Stadt. Breslau 1945. Berlin: Siedler 2003(Taschenbuchausgabe: München: Pantheon 2006; polnische Übersetzung: Wrocław: Via Nova 2006; englische Übersetzung: Princeton: Princeton University Press, in Vorbereitung)

    HERAUSGEBERSCHAFTEN

    - Traumland Osten. Deutsche Bilder vom östlichen Europa im 20. Jahrhundert Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2006

    - Chronik russischen Lebens in Deutschland, 1918-1941, zusammen mit Karl Schlögel, Katharina Kucher und Bernhard Suchy. Berlin: Akademie Verlag, 1998

    AUFSÄTZE (Auswahl)

    - “Wrocław’s Search for a New Historical Narrative: From Polonocentrism to Postmodernism,” in: J. Czaplicka, N. Gelazis und B. Ruble (Hgg.), Cities after the Fall of Communism: Reshaping Cultural Landscapes and European Identity, Washington: Woodrow Wilson Center Press, 2009.

    - “Mythische Landschaften. Das Bild vom “Deutschen Osten” und die Zäsuren des 20. Jahrhunderts,” in: Traumland Osten. Deutsche Bilder vom östlichen Europa im 20. Jahrhundert. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2006.

    - “Europa im Ostblock. Weiße Flecken in der Geschichte der europäischen Integration,” in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 1/3 (2004)

     

    FRIAS Forschungsprojekt

    “Mastering the East. The German Frontier from 1800 to the Present”

    Anliegen des Forschungsprojektes ist es, die exzessive Gewalt zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen in Ostmitteleuropa während des Zweiten Weltkrieges und unmittelbar danach vor dem Hintergrund eines langen Radikalisierungsprozesses zu erklären, der schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann und in der Epoche der Weltkriege kulminierte. Dem Konflikt lagen die imperialen Visionen der deutschen Nationalbewegung zugrunde, deren Eliten schon in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts nicht nur vom geeinten Nationalstaat, sondern auch von deutscher Weltmacht träumten. Inspiriert von der amerikanischen Frontier, dem europäischen Kolonialismus und der Idee der Zivilisierungsmission begannen sie die mehrheitlich nicht von Deutschen bewohnten östlichen Provinzen Preußens und Österreichs als deutsche Frontier aufzufassen, die zugunsten eines deutschen Mitteleuropas mit allen Mitteln gegen die Ansprüche der nicht-deutschen Nationalbewegungen im Osten zu verteidigen war. Dies beschwor einen Konflikt mit den ostmitteleuropäischen Gesellschaften sowie mit den rivalisierenden Imperien herauf, der zu den nachhaltigsten und destruktivsten der modernen europäischen Geschichte gehört.

    Die Geschichte der deutschen Frontier von 1800 bis zur Gegenwart wird dabei zum ersten Mal in einer zusammenhängenden Darstellung erschlossen. Dazu gehören die mentale Konstruktion der Frontier, ihre Popularisierung und Mythisierung durch Publizistik, Belletristik und politische Ikonographie, die Konsequenzen für das politische Handeln bis hin zur Kulmination der Frontiersidee an der Ostfront des Zweiten Weltkrieg sowie schließlich die mentale Überwindung der auf den Osten Europas gerichteten imperialen Vorstellungen in den drei deutschen Gesellschaften nach 1945.