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Gemeinsamer Beschluss deutscher Forschungskollegs

Gemeinsamer Beschluss im Anschluss an die öffentliche Tagung „Forschungskollegs und ihre Funktion im deutschen Wissenschaftssystem“ Montag, 2. Mai 2016
Am 2. Mai 2016 fand, veranstaltet vom Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, eine öffentliche hochschulpolitische Tagung statt, die zum ersten Mal umfassend die Arbeitsweise und die Funktionen der Forschungskollegs in Deutschland zur Diskussion stellte. Mehr als 150 Vertreter fast aller deutscher Forschungskollegs und Fellowshipprogramme sowie Repräsentanten von Wissenschaftsorganisationen, Ministerien und Stiftungen nahmen an der Veranstaltung teil. Prof. Dr. Peter Strohschneider (Präsident, Deutschen Forschungsgemeinschaft), Dr. Enno Aufderheide (Generalsekretär, Alexander von Humboldt-Stiftung), Dr. Wilhelm Krull (Generalsekretär VolkswagenStiftung) sowie aus der Schweiz Prof. Dr. Gert Folkers (Präsident, Schweizerischer Wissenschafts- und Innovationsrat) hielten Impulsvorträge und betonten aus unterschiedlichen Perspektiven die Relevanz der Forschungskollegs für die Wissenschaft in Deutschland und Europa. Einen Bericht zur Tagung finden Sie hier.

Als Ergebnis der Tagung wurden folgende fünf Punkte von den teilnehmenden Instituten festgehalten (Download des gemeinsamen Beschlusses).

  1. Deutschland verfügt über eine vielfältige Landschaft von Forschungskollegs und Fellowshipprogrammen, die wesentlich zu internationaler Attraktivität und Ansehen der deutschen Wissenschaft beiträgt. Fellowshipaufenthalte sind ein hervorragendes Instrument, um den intensiven Austausch und die Vernetzung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu fördern. Durch sie entstehen Verbindungen weltweit, die langfristig Bestand haben und zur Basis weiterer Forschungsaktivitäten werden.  Der Bund und eine Reihe von Ländern, die EU, die DFG, verschiedene Stiftungen sowie maßgeblich auch viele Universitäten ermöglichen durch ihre Förderung die Arbeit dieser Einrichtungen. In vielfältigen Evaluationen und im Rahmen unterschiedlicher Programme ist der Wert ihrer Arbeit immer wieder von externen Gutachtern überprüft und bestätigt worden.
  2. Die Kollegs verfolgen unterschiedliche Konzepte, sind dabei aber verbunden durch einen Kern wesentlicher Gemeinsamkeiten: Sie eröffnen Freiräume für die individuelle Forschung von Einzelwissenschaftlern jenseits projektbezogener Verbundforschung in einer inspirierenden Fellowgemeinschaft; sie fördern die Begegnung über disziplinäre, kulturelle, politische Grenzen hinweg; sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlern/innen; sie sind Orte, an denen im Dialog der Fellows aus ersten Ideen grundlegend neue Impulse für die Wissenschaft entwickelt werden können.
  3. Gerade weil Fellowships ein Privileg sind, muss die Arbeit der Kollegs hohe Ansprüche an Qualität und Transparenz erfüllen. Hohe Anforderungen werden umgekehrt auch an die Erfolgsbewertung und Evaluation von Forschungskollegs gestellt. Diese muss verschiedenen Besonderheiten der Kollegs Rechnung tragen (z.B. geringe Vorgaben an die Fellows, zeitlich begrenzte Förderdauer). Evaluationen sollten daher die Bewertung der Qualität der Auswahlprozesse und der Forschungsstärke der geförderten Wissenschaftler in den Vordergrund stellen und dabei auch die unterschiedlichen lokalen oder disziplinären Profile der Einrichtungen berücksichtigen.
  4. Die Kollegs übernehmen eine Aufgabe für das gesamte Wissenschaftssystem, weshalb eine Unterstützung durch nationale Programme angemessen und sinnvoll ist. Die Unterzeichner erwarten von der Politik wie auch von den Wissenschaftsorganisationen, dass sie in ihren Planungen die Kollegs entsprechend ihrer Leistungen für die deutsche Wissenschaft berücksichtigen. Die jetzige Förderlandschaft ist nur sehr bedingt auf die besonderen Belange der Forschungskollegs eingestellt. Mittelfristig kann daher ein eigenständiges, wettbewerbliches Förderprogramm sinnvoll sein, das deren Arbeit gezielt unterstützt. Ein solches Förderprogramm sollte offen für unterschiedliche Institutsprofile sein.  Es sollte existierende Institute und deren Erfahrungen ins Zentrum stellen, gleichzeitig sollen ambitionierte Neugründungen möglich bleiben. Auf diese Weise wäre sichergestellt, dass Forschungskollegs ihr eigenständiges Profil in der deutschen Wissenschaftslandschaft herausstellen und weiterentwickeln können.
  5. Die unterzeichnenden Institutionen verabreden, das Gespräch untereinander fortzusetzen. Dies soll dem Austausch über Arbeitsformate und einer kontinuierlichen Qualitätsentwicklung dienen. Gemeinsam wollen die Institute die Relevanz ihrer Arbeit für das deutsche Forschungssystem insgesamt und sein internationales Ansehen herausarbeiten und sich gemeinsam für eine verlässliche Förderung der deutschen Forschungskollegs einsetzen, denn auf ihren besonderen Beitrag zur Wissenschaftsförderung kann nicht verzichtet werden.

 

Unterzeichnende

Forschungskollegs Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung,
Bad Homburg

Internationales Forschungskolleg “Verflechtungen von Theaterkulturen”, Freie Universität Berlin

Internationales geisteswissenschaftliches Kolleg „Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive“ (re:work), Humboldt-Universität zu Berlin

Zentrum für interdisziplinäre Forschung, Universität Bielefeld

Käte Hamburger Kolleg „Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa“ am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien, Ruhr-Universität Bochum

Hanse-Wissenschaftskolleg – Institute for Advanced Study, Delmenhorst

Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research, Universität Duisburg-Essen

Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien, Universität Erfurt

Internationales Kolleg für Geisteswissenschaftliche Forschung "Schicksal, Freiheit und Prognose. Bewältigungsstrategien in Ostasien und Europa", Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS), Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald

Maimonides Centre for Advanced Studies, Universität Hamburg

Orient-Institut Istanbul (Max Weber Stiftung - Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland)

Imre Kertész Kolleg Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Internationales Kolleg Morphomata, Universität zu Köln

Kulturwissenschaftliches Kolleg, Universität Konstanz

Zukunftskolleg, Universität Konstanz

Kolleg-Forschergruppe "Multiple Secularities - Beyond the West, Beyond Modernities", Universität Leipzig

Center for Advanced Studies, Ludwig-Maximilians-Universität München

Historisches Kolleg, München

Rachel Carson Center for Environment and Society, Ludwig-Maximilians-Universität München

TUM Institute for Advanced Study, Technische Universität München

Forschungskolleg Siegen (FoKoS), Universität Siegen

Center for Advanced Studies: Words, Bones, Genes, Tools: Tracking Linguistic, Cultural and Biological Trajectories of the Human Past, Eberhard Karls Universität Tübingen

Internationales Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie (IKKM), Bauhaus-Universität Weimar

Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

Käte Hamburger Kolleg "Recht als Kultur", Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

DFG-Kollegforschergruppe Medienkulturen der Computersimulation (MECS), Lüneburg

 

 

Kontakt:

Arbeitskreis „Forschungskollegs in Deutschland“

c/o Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS)

+49/761-203-97404

tagung-forschungskollegs@frias.uni-freiburg.de

www.forschungskollegs-in-deutschland.de