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Forstökologie: ein traditionelles Forschungsgebiet beantwortet Zukunftsfragen

Interview mit YAS Ankerfellow Dr. Rita Sousa-Silva und FRESCO-Fellow Prof. Dr. Klaus Puettmann


Waldökosysteme unter dem Einfluss des Menschen: So lautet der Titel des Kolloquiums Natur- und Lebenswissenschaften am 10. Mai. Im Interview erklären die Referenten Prof. Dr. Klaus Puettmann, Oregon State University, und Dr. Rita Sousa-Silva, FRIAS, was die wissenschaftliche Community inhaltlich beschäftigt – und welche Herausforderungen die Disziplin lösen möchte.


Worum geht es in der Forstökologie?

Prof. Dr. Klaus Puettmann: Vereinfacht ausgedrückt, untersucht diese die Wechselbeziehungen zwischen Bäumen, Pflanzen, Tieren und anderen Gattungen, um die ökologischen Prozesse im Wald und deren Funktionen besser zu verstehen.

Faces Rita Sousa Silva


Dr. Rita Sousa-Silva: Im Unterschied dazu stehen im Gebiet der urbanen Forstökologie, in dem ich tätig bin, die Wechselwirkungen zwischen Menschen und Wäldern in Städten im Fokus. Um diese Interaktionen zu untersuchen, nutzt die Stadtwaldökologie Konzepte aus der Forstökologie. Ebenso wenn es um die Pflege, das Management und den Schutz des Stadtwaldes geht, oder darum, die Beziehungen zwischen den einzelnen Bäumen untereinander und mit verschiedenen Elementen der städtischen Umwelt zu untersuchen.

 

Forstökologie hat eine lange Tradition in Deutschland. Was bewegt die Disziplin heute?

Puettmann: Zentrale Themen sind die globalen Klimafolgen und die Frage, in wie weit sich Waldökosysteme an diese Prozesse anpassen können. Es wird intensiv daran gearbeitet, Wälder resilienter zu gestalten. Denn nur so können sie die von ihnen erwarteten – und für die Menschen essentiellen – Ökosystemdienstleistungen langfristig erbringen.

Sousa-Silva: Der gesellschaftliche Wandel hat auch die Ansprüche an den Wald geändert. Lag der Fokus früher auf dem Wald als Nutzfläche zur Holzproduktion, soll er heute darüber hinaus noch Lebensraum, Entspannungsort sowie Partner im Kampf gegen Klimafolgen sein. Und nicht zuletzt die Städte begrünen. Das wirft die Frage auf, wie der Wald der Zukunft aussehen muss, um diesen Spagat zu schaffen – sei es in natürlicher oder urbaner Umgebung.

 

Wie tragen Sie dazu bei, diese Zukunftsfragen zu beantworten?Klaus Puettmann

Puettmann: Als Waldbauer erforsche ich unter anderem, wie sich Monokulturen in diversifizierte und damit stressresistentere Wälder umbauen lassen. Mich interessiert, welche Aspekte der Waldentwicklung von Menschen gesteuert werden müssen und welche nicht. Ich befürchte zum Beispiel, dass die natürliche Waldentwicklung alleine den Klimafolgen nicht entgegensteuern kann, da sich das Klima schneller ändert als sich Bäume anpassen können. Daher untersuche ich in Feldversuchen auch, mit welchen Maßnahmen man Bäume und das ganze Ökosystem anpassungsfähiger machen kann.

Sousa-Silva: Mit zunehmender Urbanisierung werden wir immer abhängiger von Bäumen und deren Nutzen. Deswegen haben sich viele Städte verpflichtet, weiterhin Bäume zu pflanzen. Ich untersuche unter anderem, an welchen Standorten diese ihr volles Potenzial entfalten und wie Bäume zu unserem Wohlbefinden beitragen. Es ist zum Beispiel bewiesen, dass wir in deren Nähe weniger gestresst sind. Und da sie Schatten spenden und die Umgebung kühlen, können sie die öffentliche Gesundheit bei extremen Hitzewellen auch positiv beeinflussen.

 

Die Forstökologie vereint heute mehrere Fachbereiche. Was bedeutet das für die interdisziplinäre Kommunikation?

Sousa-Silva: In der Zusammenarbeit mit Forschern und Interessensgruppen unterschiedlichster Branchen – sei es aus der Verwaltung, dem Gesundheitswesen oder den Sozialwissenschaften – passiert es oft, dass wir einen unterschiedlichen Kenntnisstand haben und andere Begriffe für die gleichen Inhalte verwenden. In diesen Situationen hilft es mir, offen für andere Formulierungen zu sein und zu verstehen, dass nicht jeder alles wissen kann.

Puettmann: Der fächerübergreifende Austausch ist intensiver geworden. Dazu tragen breit aufgestellte Studiengänge und interdisziplinäre Projekte bei, ebenso wie die Option, sich über Angebote wie Google Scholar schnell und unkompliziert in aktuelle Themen anderer Disziplinen einzulesen. Da diese Option rege genutzt wird, ist es aus meiner Sicht unerlässlich, dass Publikationen gut verschlagwortet werden, um online schnell gefunden werden zu können, besonders von Wissenschaftlern aus anderen Disziplinen.

 

Das Interview führte Kristin Schwarz