Artikelaktionen

Sie sind hier: FRIAS Veranstaltungen Veranstaltungen Aktuell Workshop - Michaela Holdenried: …

Workshop - Michaela Holdenried: Poetiken des Verschwindens. Aussteigen - Nicht(s)tun - Reisen in Literatur (und Film) der Gegenwart

Wann 30.10.2014 um 10:00 bis
31.10.2014 um 15:00
Wo FRIAS, Albertstr. 19, Seminarraum
Name
Kontakttelefon +49 (0)761 203-97398
Teilnehmer Anmeldung erforderlich / Registration required
Termin übernehmen vCal
iCal

 

Poetiken des Verschwindens.
Aussteigen – Nicht(s)tun – Reisen in Literatur (und Film) der Gegenwart

Programm

Der Aussteiger ist eine Figur der Verweigerung, die in vielfältigen Variationen literarische und mediale Inszenierungen erfahren hat. Was indes Aussteigen in globalen Kontexten noch bedeuten kann – wohin kann überhaupt ‚ausgestiegen‘ werden? – und wie verbreitet die Figur des Aussteigers ist, wird eine der zentralen Fragestellungen des Workshops sein.
Wird das Aussteigen in erster Linie als eine Figur der Bewegung verstanden und mit Reisen verbunden, so ist danach zu fragen, welche Formen das Aussteigen als Ortsveränderung im ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert, einer Epoche mit ungeheuer beschleunigten Transportmitteln und kaum noch unerforschten Weltgegenden, generell annehmen kann. Eine Zunahme alternativer Reiseformen scheint jedenfalls mit einem Bedürfnis nach zumindest temporärem Ausstieg aus der Gesellschaft und deren Beschleunigungsmechanismen verbunden zu sein. So ist in jüngster Zeit eine wachsende Anzahl von Texten über Fußreisen oder auch über religiös oder säkular verstandene Pilgerfahrten zu konstatieren. Der Plot von Alex Garlands erfolgreich verfilmtem Roman The Beach (1996) gibt exemplarisch die Persistenz der Verbindung des Utopischen mit schönen, entlegenen Weltgegenden zu erkennen, deren exotisches Faszinationspotential vor allem das Kino nutzt. Abbrüche durchgeplanter Lebensformen finden sich in jüngerer Zeit auffällig häufig in Bestsellern wie Jonas Jonassons Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (2009, verfilmt 2013) oder, in philosophisch anspruchsvollerer Form, bei Pascal Mercier, dessen Nachtzug nach Lissabon (2004) vor Kurzem ebenfalls verfilmt wurde.
Im Zuge der Vorüberlegungen zum Workshop wurde jedoch deutlich, dass der Aussteiger zwar in besonderer Weise durch Raumerfahrungen geprägt ist, also eine Bewegungsfigur darstellt, es aber dennoch unumgänglich ist, auch solche Phänomene einzubeziehen, die das Aussteigen als reine Denkfigur betreffen.