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Geisteswissenschaftliches Kolloquium - Michaela Holdenried (Freiburg): Strukturprinzipien fiktionalisierter Forschungsreisen

Wann 07.07.2014
von 13:15 bis 14:00
Wo FRIAS, Albertstr. 19, Seminarraum
Name
Kontakttelefon +49 (0)761 203-97362
Teilnehmer Universitätsoffen / Open to university members
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Seit längerem schon bilden Entdeckungs- und Forschungsreisen ein Sujet für Autoren und Autorinnen der Gegenwartsliteratur. Mit Kehlmanns 2005 erschienenem Roman Die Vermessung der Welt wurde diese Wiederbelebung der großen Entdeckungszeitalter mitsamt deren zwiespältigen Aspekten auch zum Bestsellererfolg. Je mehr sowohl das Reisen selbst am Ende angelangt scheint – so jedenfalls der sprechende Titel des Buches von Alain de Botton – und je mehr die Revision kolonialer Vergangenheit disziplinübergreifend thematisch wurde, umso mehr sind die abenteuerlichen, ebenso glanz- wie gefahrvollen Reisen von Pigafetta bis Richard F. Burton mit neuen Pointierungen in den Blick gerückt. Dass es den Autoren keineswegs um den einfachen Nachvollzug von Bewegung gehen kann, hat Alex Capus als die Herausforderung des Schreibens über Reisen erkannt – seiner Ansicht nach ist „Reisen als literarisches Thema völlig ungeeignet, weil Schilderungen des Unterwegsseins […] stets eine Aneinanderreihung ziemlich platter, banaler Beobachtungen und Ereignisse sind.“ An Werken wie Christoph Ransmayrs Die Schrecken des Eises und der Finsternis, Thomas Stangls Der einzige Ort, Daniel Kehlmanns Die Vermessung der Welt, Michael Roes’ Rub’al Khali. Leeres Viertel, Felicitas Hoppes Pigafetta sowie Verbrecher und Versager, Capus’ Munzinger Pascha, Ilija Trojanows Der Weltensammler, Lukas Hartmanns Bis ans Ende der Meere lässt sich ein ästhetisches Panorama der zeitgenössischen Literatur über Reisen entdecken, das mit den spielerischen bis hochreflexiven Methoden der Quellenbearbeitung im besten Falle auch neues Licht auf die „Originalreisen“ selbst, von Pigafetta über Carsten Niebuhr, James Cook, Alexander von Humboldt, René Caillié, Alexander Gordon Laing, Richard Burton, Franz Junghuhn oder die österreichisch-ungarische Arktisexpedition zu werfen vermag.

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