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Michel Abeßer

Doctoral Fellow
01.10.08-31.01.12

    CV

    Geboren 1980, 1999 Abitur Goethegymnasium Ilmenau, Studium an der Friedrich-Schiller Universität Jena (Osteuropäische Geschichte, Neuere Geschichte und Soziologie), 2006 MA „International Master in Russian Studies“ (European University at St. Petersburg), 2008 Magister (Friedrich Schiller Universität Jena), seit 2008 Doctoral Fellow an der FRIAS School of History, (Forschungsaufenthalte in Moskau, St. Petersburg und Tallinn)

     

    PUBLIKATIONEN

    • “Alleingelassen an der historischen Front” – zur besonderen Situation der Osteuropäischen Geschichte an der Universität Jena zwischen Ideologie und Wissenschaftlichkeit 1945 bis 1989/90, in: Hoßfeld, U./ Kaiser, T./ Mestrup, H. (Hrsg.): Hochschule im Sozialismus. Studien zur Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena (1945-1990), 2 Bd., Köln, Weimar, Wien 2007, S. 1715-1748.
    • „WWW-Ressourcen zu Osteuropa“, in: Bohn, Thomas/ Neutatz, Dietmar (Hrsg.): UTB Studienhandbuch Osteuropa, 2 Bd., 2. Aufl., Köln, Weimar, Wien 2009, S.487-493.
    • Between Cultural Opening, Nostalgia and Isolation - Soviet Debates on Jazz between 1953 and 1964, in: Pickhan, Gertrud/ Ritter, Rüdiger (Hrsg.) Jazz behind the Iron Curtain (=Jazz. Jazz under State Socialism, Vol.1), Frankfurt am Main 2010, S.99-116.

    FRIAS FORSCHUNGSPROJEKT

    „..deshalb muss der Jazz sowjetisch werden“ –Integration, Freiräume und Innovation in der Sowjetischen Kultur nach 1953

    Zwischen Ende der 1940er Jahre bis Mitte der 1960er Jahre wurden die meisten subversiven Elemente des Jazz in legitime Teile der sowjetischen Kultur transformiert. Die Arbeit widmet sich der Frage, wie unter den Bedingungen ambivalenter politischer Liberalisierung, kultureller Öffnung des Landes und gesellschaftlicher Transformation eine vormals hochpolitische Form westlicher Unterhaltungsmusik mit eigenen sowjetischen Traditionslinien in den kulturellen Kanon des Spätsozialismus Eingang fand und in allen größeren Städten der Sowjetunion institutionalisiert wurde. Dabei steht eine heterogene Gruppe von Musikern, Organisatoren und Journalisten im Zentrum, die über informelle Strategien und lokale Allianzen (mit der Partei, dem Komsomol und dem Komponistenverband) den Jazz von einer subversiven populären Musikform in eine Form der Kunstmusik transformierten, welche in das hierarchische sowjetische Kulturmodell passte. Einerseits boten diese lokal unterstützten Netzwerke der technischen Intelligenzija, die vom Regime stetig ins Zentrum des Diskurses um den gesellschaftlichen Fortschritt gerückt wurde, eine eigene Form der Öffentlichkeit, Distinktionsgewinn und Karrierechancen. Andererseits wurde hier die Mehrzahl der Musiker, Komponisten, Journalisten und Techniker sozialisiert, die zum Erfolg der sowjetischen Massenkultur der 1970er und 80er Jahre wesentlich beitrugen. Entgegen dem Narrativ des Jazz als freiheitlicher und antitotalitärer Musik fragt das Projekt nach der Innovations- und Integrationskraft der sowjetischen Kultur nach 1953, die sich in wachsendem Maße zwischen globalen Kultureinflüssen und lokaler pragmatischer Initiative situiert sah.