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Listen in der Literatur: ERC Starting Grant für FRIAS Alumna Eva von Contzen

FRIAS Alumna Dr. Eva von Contzen erhält den ERC Starting Grant für ihr Projekt „Towards a Listology – LISTLIT“, das sich mit der Funktion von Listen in der Literatur auseinandersetzt. Das ERC Thema entstand aus ihrem FRIAS-Projekt 2013-14.

Eva von Contzen war als Junior Fellow von Oktober 2013 bis Juli 2014 am FRIAS. Während ihres Fellowships begann sie, sich mit Funktion, Zweck und Wirkung von Listen in der Literatur zu beschäftigen. Diese Arbeit legte den Grundstein für ihre Forschung zur Listologie und mündete nun in den erfolgreichen Antrag beim Europäischen Forschungsrat. Der ERC Starting Grant gehört zu den renommiertesten Preisen der Europäischen Union (Übersicht über ERC Preisträger unter den FRIAS Fellows). Der ERC unterstützt damit junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die einige Jahre nach ihrer Promotion eine unabhängige Karriere beginnen und eine eigene Arbeitsgruppe aufbauen wollen. Von knapp 3.000 eingereichten Anträgen werden in der aktuellen Runde etwa 350 Vorhaben gefördert.

 

Einkaufszettel, Aufzählungen von Reisezielen, To-Do-Überblicke im Büro: Der moderne Alltag ist von Listen geprägt – dabei sind sie keine neue Erfindung. Seit den Anfängen der Schriftlichkeit haben Menschen Listen erstellt, zum Beispiel um Gebiete zu überblicken und zu verwalten oder um an Könige und wichtige geschichtliche Ereignisse zu erinnern. Auch in literarischen Texten spielen Listen eine große Rolle. „Man denke nur an die unzähligen Listen in der Bibel oder den Schiffskatalog in der ‚Ilias‘“, sagt Eva von Contzen. Gleichzeitig sei es fast schon eine Provokation, wenn solche Aufzählungen in literarischen Texten auftauchten: Wer habe nicht schon einmal eine Liste überblättert, statt sie zu lesen? Und lasse sich eine Liste überhaupt lesen? Diese Spannung zwischen der scheinbar trivialen kulturellen Praxis des Listenschreibens und ihren literarischen Erscheinungsformen möchte die Anglistin ausloten. Mit ihrer Arbeitsgruppe wird sie die unterschiedlichen Arten und Genres von Listen von der Antike bis zur Postmoderne auf zwei Leitfragen hin untersuchen: Wie werden Listen und Aufzählungen in literarischen Texten verwendet und welche Funktionen erfüllen sie? Wie verhalten sich diese literarischen Formen zu nicht-literarischen Praktiken des Listenschreibens in einer bestimmten Epoche? Mit dem Projekt will von Contzen einen Beitrag zur derzeit expandierenden Disziplin der kognitiven Literaturwissenschaft leisten. „Listen bilden Prinzipien der Ordnung und Unordnung ab. Sie sind ein wertvoller Seismograf dafür, wie die Welt in einer bestimmten Zeit wahrgenommen und entsprechend geordnet wird.“ Teil der Arbeit wird außerdem die Erstellung einer öffentlich zugänglichen Datenbank von Listen in literarischen Texten sein.

 

Das Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren und wird mit insgesamt 1,38 Millionen Euro gefördert. Die Projektgruppe unter der Leitung von Eva von Contzen wird aus drei Doktoranden/innen und einem Postdoc bestehen, deren Projekte sich inhaltlich und auf theoretischer Ebene ergänzen.

 

Eva von Contzen ist dem FRIAS auch nach ihrer Zeit als Fellow  verbunden geblieben. Unter anderem wurde sie vom FRIAS zu der „Intercontinental Academia“ (ICA) entsandt, die vom weltweiten Netzwerk universitätsbasierter Forschungskollegs UBIAS organisiert wurde. Im April 2015 und März 2016 fanden sich dreizehn junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Sao Paolo, Brasilien (2015), und Nagoya, Japan (2016), zu jeweils zweiwöchigen Seminaren zusammen, um sich in interdisziplinärer Perspektive mit den vielfältigen Facetten des Themas „Zeit“ auseinanderzusetzen. Eva von Contzen trug mit ihrer wissenschaftlichen Expertise und ihrem Elan maßgeblich zum Erfolg der ICA bei. Die Ergebnisse dieses experimentellen Projektes werden in einem Massive Open Online Course (MOOC) festgehalten, der derzeit in Kooperation mit einem der großen MOOC-Anbieter, Coursera, entsteht.

Weitere Informationen zu Eva von Contzen

Weitere Informationen zu Preisträgerinnen und Preisträgern des FRIAS

ERC Preisträger unter den FRIAS Fellows

2016: ERC Starting Grant Marco Caracciolo (Literaturwissenschaft) Junior Fellow 2015-17
2016: ERC Starting Grant Eva von Contzen (Englische Literatur) Junior Fellow 2013-14
2015: ERC Consolidator Grant Tobias Schätz (Physik) Internal Senior Fellow 2014-15
2015: ERC Starting Grant Miriam Erlacher (Medizin) Junior Fellow 2013-14
2015: ERC Starting Grant Karen Lienkamp (Chemie) Junior Fellow 2013-14
2011: ERC Advanced Grant Jan Korvink (Informatik) Internal Senior Fellow 2008-13
2011: ERC Advanced Grant Ingo Krossing (Chemie) Internal Senior Fellow 2008-13
2011: ERC Starting Grant Natalie Stingelin (Materialwissenschaft) External Senior Fellow 2010-13
2010: ERC Starting Grant Florian Mintert (Physik) Junior Fellow 2010-13
2010: ERC Advanced Grant Peter Jonas (Neurophysiologie) Internal Senior Fellow 2008-10

09/2016