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Aufbruch ins neue Akademische Jahr

Ein neues Akademisches Jahr 2015/16 beginnt, und bei den Fellows, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am FRIAS herrscht gespannte Neugier auf neue Themen und Austausch mit neuen Kolleginnen und Kollegen.

Auch in diesem Jahr ist das Spektrum der Forschungsvorhaben sehr breit.  In den Natur- und Lebenswissenschaften und der Medizin erstreckt es sich von der Chemie über die Neurowissenschaften bis hin zur Toxikologie und Zellbiologie, während unter den geistes- und sozialwissenschaftlichen Projekten – neben einzelnen Projekten aus einer Vielzahl von Fachrichtungen -- besonders Themen aus den Bereichen der Geschichte und Kunstgeschichte, Linguistik, Literatur-, Religions- und Rechtswissenschaften stark am FRIAS vertreten sind.  

Natur-/Lebenswissenschaften/Medizin: Die Forschungsschwerpunkte sind das „Königsformat“ des FRIAS und setzen für eine begrenzte Zeit thematische Schwerpunkte in der Gruppenforschung des Instituts. Innerhalb der Forschungsschwerpunkte findet eine konzentrierte Förderung durch die Vergabe einer größeren Anzahl von Fellowships statt. Der Forschungsschwerpunkt „Membrantransport in Alter und Krankheit“ 2015/16 setzt für die Lebenswissenschaften und Medizin einen besonderen Schwerpunkt in der Biologie. Gemeinsam mit den Freiburger Professoren Klaus Aktories (Pharmakologie und Toxikologie), Jörn Dengjel (Dermatologie und Venerologie), Stefan Eimer (Zellbiologie) und Tobias B. Huber (Innere Medizin) werden insgesamt 7 internationale Junior und Senior Fellows (von Top-Institutionen in 7 verschiedenen Ländern) mithilfe unterschiedlicher Modellsysteme und einem breiten Methoden-Spektrum untersuchen, wie sich Membran-Transportprozesse im Alter und unter pathologischen Bedingungen verändern. Ziel ist es, die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen zu verstehen, um so neue Therapieansätze für krankhaft veränderte Membran-Transportprozesse zu entwickeln.

Seit Oktober 2015 läuft auch die zweite Runde der erfolgreichen Kooperation zwischen dem FRIAS und dem Université de Strasbourg Institut d’Études Avancées (USIAS), die im Jahr 2013 begann. Gefördert werden für jeweils zwei Jahre drei Forschergruppen bestehend aus je einem erfahrenen Forscher aus den beiden Universitäten sowie einem Postdoc. Zwei dieser Forschergruppen fallen in die Bereiche Naturwissenschaften und Medizin: Dr. Stefan Schiller (Universität Freiburg) und Dr. Pierre Schaaf (Université de Strasbourg) arbeiten als Projektleiter zum Thema „Bio-based nano mechano responsive film: a new step towards soft-mechano chemistry“. Ziel der Gruppe ist es, Systeme zu entwickeln, die chemisch, also durch Veränderung ihrer Form, auf Streckungen reagieren. Eine weitere FRIAS-USIAS-Forschergruppe „Deep brain stimulation of the ventral midline thalamus“ wird geleitet von Dr. Jean Philippe Cassel (Université de Strasbourg) und Dr. Ullrich Hofmann (Universität Freiburg). Die Gruppe setzt sich mit den Auswirkungen von Hirnstimulationen auf das Erinnerungsvermögen auseinander, was unter anderem auch für neurologische Erkrankungen, einschließlich Depressionen, relevant sein kann.

Im Oktober 2015 nehmen erstmals auch drei Projektgruppen ihre Arbeit am FRIAS auf. Mit diesem neuen Förderformat werden fachliche Kooperationen finanziell und organisatorisch in einem frühen Stadium gefördert und haben eine Laufzeit von 12-15 Monaten. Eine dieser Gruppen wird weitgehend von Forscherinnen und Forschern am Bernstein-Zentrum  der Universität Freiburg getragen und arbeitet zum Thema „Neural networks of motor control and motor learning“. Ziel ist es, die neuralen Mechanismen und Netzwerke, die der motorischen Kontrolle und dem motorischen Lernen zugrunde liegen, herauszuarbeiten und zu verstehen. Eine weitere Projektgruppe ergänzt den Forschungsbereich der medizinischen Epigenetik der Universität Freiburg um den noch sehr jungen Bereich „Chemische Epigenetik“. Die Mitglieder dieser Gruppe beschäftigt sich mit epigenetischen Mechanismen auf molekularer Ebene, um neue Ansätze für die Medikamentenentwicklung zu finden.

Die o.g. Gruppenforschungsformate werden im Verlauf der kommenden 10 Monate durch eine Reihe von Fachtagungen, aber auch öffentliche Veranstaltungen begleitet und so einem breiten Publikum verständlich gemacht. So werden zwei wissenschaftliche Tagungen jeweils von einem Vortrag im Rahmen der „Freiburger Horizonte“ eröffnet, der sich an ein breites städtisches und regionales Publikum richtet: Am 29. Januar 2016 wird Prof. Frank Madeo Zusammenhänge zwischen Ernährung und Altern erläutern. Im April dann erklärt der Wissenschaftsjournalist Dr. Peter Spork warum wir keine Marionetten unserer Gene sind. 

Geistes- und Sozialwissenschaften: Auch die Bandbreite in diesen Bereichen ist die Bandbreite der Forschungsvorhaben im Jahr 2015/16 wieder groß. Trotz der Vielzahl und Diversität der geförderten Projekte lassen sich jedoch disziplinübergeifende Konzentrationen um bestimmte Themenbereiche erkennen (sog. thematische Cluster). Ein solches Cluster lässt sich z.B. unter dem Schlagwort „Society and Justice“ zusammenfassen: Fellows aus den Geschichts-, Politik-, Sozial- und Rechtswissenschaften setzen sich in unterschiedlichen Projekten mit Fragen der Gerechtigkeit in Gesellschaften und den Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Institutionen auseinander. Ein weiteres Cluster ist das der Environmental Humanities“, bei dem sich Forschungsvorhaben aus der Biologie, Literaturwissenschaft und Geschichte thematisch ergänzen. Diesem Cluster kann auch die einzige geistes- und sozialwissenschaftliche Projektgruppe 2015/16 zugeordnet werden: unter dem Projekttitel „A Green City Mandate“ untersucht diese, wie sich modellhaft als Green Cities gerierende Städte auf drei Kontinenten (darunter Freiburg) Umweltherausforderungen wie Luftverschmutzung oder nachhaltiger Energieversorgung stellen. Ein drittes Bündelung von Themen besteht im Hinblick auf Frankreich: mehrere Forschungsvorhaben setzen sich mit verschiedenen Aspekten der französischen Geschichte, Politik, Philosophie, Literatur und Sprache auseinander setzen. Dieses thematische Cluster wird verstärkt durch eine FRIAS-USIAS Forschergruppe zum Thema „Soldiers out of control? An entangled history of accidents in the French and German military, 1920-1970”, die sich mit dem Diskurs innerhalb des deutschen und französischen Militärs zum Thema Unfall, also auch Unfallprävention, Rehabilitation und technischen Neuerungen, beschäftigt. Erstmals gibt es auch eine Bündelung von Forschungsvorhaben im Bereich Religion: verschiedene Projekte beschäftigen sich mit den globalen Transformationen des Katholizismus, zeitgenössischen Auslegungen des Koran oder dem religiösen Frieden im Europa des späten 17. Jahrhunderts.

Auch in diesem akademischen Jahr wird das FRIAS wieder für eine Vielzahl von wissenschaftlichen Veranstaltungen, aber auch – speziell mit seinen Freiburger Horizonten  -- für eine Reihe von hochkarätigen Vorträgen und Podiumsdiskussionen für eine breite Öffentlichkeit verantwortlich zeichnen. Einen ersten Akzent im neuen Akademischen Jahr von sicher überregionalem Interesse setzt das FRIAS, gemeinsam mit den Freiburger Religionsgesprächen und dem Colloquium Phaenomenologicum, mit einer dreitägigen Konferenz vom 9.-11.12.2015 zu Heideggers Schwarzen Heften und dem Thema „Ideologischen Verführbarkeit von Intellektuellen“. Die Tagung wird mit einer Podiumsdiskussion im Audimax der Universität am 9.12.2015 im Rahmen der Freiburger Horizonte eröffnet (19:15 Uhr). Unter der Moderation von Magnus Striet, Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Freiburg, diskutieren Marion Heinz, Professorin für Theoretische Philosophie an der Universität Siegen; Rainer Marten, Professor für Philiosophie an der Universität Freiburg, und Axel Hutter, Professor für Philosophie an der LMU München über systematische Gründe für die Anfälligkeit des Heideggerschen Denken für die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus. Ein öffentlicher Vortrag von Dieter Thomä, Professor für Philosophie an der Universität St. Gallen, am 11.12. um 19:15 Uhr wird die Tagung beenden (Hörsaal 1199).

Der Beginn jedes neuen akademischen Jahres birgt noch viel Ungeahntes in sich. Das FRIAS freut sich auf ein weiteres anregendes Jahr, in dem sich Forschungsvorhaben entwickeln, Fellows miteinander in einen produktiven Dialog treten und daraus möglicherweise neue, fach(kultur)übergreifende Forschungskooperationen entstehen. 

 

10/2015