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Die School of Language & Literature trauert um Erika Greber

Die Schachblume oder Schachbrettblume (Fritillaria meleagris) aus der Familie der Liliengewächse war Erika Grebers Lieblingsblume. Sie mag ein Emblem ihrer Schachästhetik, ihrer Spielleidenschaft, der Faszination durch kunstvoll-aleatorische Strukturen für sie gewesen sein, und wie Freunde versichern, konnte sie (die gegenüber visuellen Porträts von Personen, auch dem eigenen, durchaus skeptisch war) vom Duft dieser aparten Blume nie genug bekommen. Am Abend des 31. Juli ist die Erlanger Komparatistin, Anglistin und Slavistin nach schwerer Krankheit im Alter von nur 58 Jahren gestorben. Die Literaturwissenschaft in Deutschland verliert mit Erika Greber, die vor ihrem 2007 erfolgten Wechsel auf den Erlanger Lehrstuhl zwölf Jahre als Professorin für Allgemeine & Vergleichende Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München gewirkt hatte, eine ihrer markantesten, angesehensten und international wirkungsvollsten Figuren, die FRIAS School of Language & Literature ein überaus geschätztes Mitglied ihres Wissenschaftlichen und Editorischen Beirats, dessen Arbeit Erika Greber durch ihre professionelle Expertise, ihre sprach- und literaturwissenschaftliche Doppelkompetenz wie durch die Sicherheit und Unbestechlichkeit ihres fachlichen Urteils von Anfang an maßgeblich prägte. Erika Grebers grundlegende Arbeiten zur Selbstreflexion in Literatur und Bildender Kunst, zu literarischen Spielformen, der Tradition des „Wortflechtens“ und Formen der ästhetischen Kombinatorik, zur Intertextualität und zum Medienvergleich verbaler und visueller Künste, aber auch zu Fragen der Interkulturalität und der Gender Studies werden für lange Zeit den Standard einer komparatistisch geöffneten und poetologisch vertieften Literaturwissenschaft mitbestimmen, und die School of Language & Literature des FRIAS wird ihre mit großzügigem Engagement gewährte Unterstützung nicht vergessen und ihren produktiven Denkanstößen in dankbarer Erinnerung zu entsprechen suchen. Eine der letzten Arbeiten, die Erika Greber noch abschließen konnte, ein brillanter Versuch zur lyrischen ars combinatoria mit dem Titel „Triskaidekaphobia? Sonettzahlen und Zahlensonette“, wird in Kürze in dem FRIAS-Band „Zahlen, Zeichen und Figuren. Mathematische Inspirationen in Kunst und Literatur“ (linguae & litterae, Bd. 11) nachzulesen sein.

08/2011