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Uwe Tellkamp Gast im FRIAS – Alter Hörsaal wiedereröffnet

Geschichten, kunstvoll frei erzählt und in stetem Gehen in fast meditativer Versenkung vorgetragen, präsentierte der Schriftsteller Uwe Tellkamp am 7. Mai 2009 während der feierlichen Wiedereröffnung des renovierten FRIAS-Hörsaals. Tellkamp, der einer Einladung des FRIAS-Direktoriums gefolgt war, gewährte dem Publikum mit dieser faszinierenden „performance“ einer „oral literature in the making“ authentische Einblicke in seine Erinnerungen an das Leben in den letzten Jahren der DDR. Diese prägen auch seinen Roman „Der Turm“, der als bisher wohl überzeugendste literarische Aufarbeitung der Geschichte der DDR gilt. Der in Freiburg lebende Autor ist dafür 2008 mit dem Deutschen Buchpreis und vor wenigen Wochen mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet worden. Für die von zeitgeschichtlichen Erinnerungsspuren wie von weltliterarischen Lektürereminiszenzen gleichermaßen durchtränkten Erzählimprovisationen Tellkamps, der selbst Medizin studiert und als Unfallchirurg gearbeitet hatte, bot der behutsam renovierte ehemalige Anatomie-Hörsaal im FRIAS-Haus mit seiner historischen Patina eine geradezu ideale Kulisse. In Anwesenheit des 97-jährigen Architekten Horst Linde, der das Haus in der Nachkriegszeit aus den Trümmern zu neuem Leben erweckte, erwies sich das kleine, knapp 100 Plätze bietende Amphitheater (in dem bereits der berühmte Freiburger Pathologe Ludwig Aschoff, ein Pionier der Atherosklerose-Forschung, seine Vorlesungen gehalten hatte) als eine konzentrationsfördernde Arena für das ganz Besondere. Durch Uwe Tellkamps virtuoses Sprach-Konzert auf unvergessliche Weise eingeweiht, wird sich der Hörsaal rasch zu einem intellektuellen Gravitationszentrum des FRIAS entwickeln und aus dessen Gesamtambiente nicht mehr fortzudenken sein.

05/2009